It's a men's world... X-beinig, die Hand schwach an die Tastatur eines Laptops gelegt, mit naivem Blick ins Leere abgelichtet -- nein, diese Darstellung von Frau am Computer stammt nicht aus einer x-beliebigen Rechner-Werbung. Diese Darstellung ziert das Titelblatt des Computerspecials einer Frauenzeitschrift. Dabei ist die Idee nicht schlecht, eine Computerzeitschrift für Frauen herauszugeben. Schließlich nutzen Frauen Technik, obwohl sie kaum an deren Entwicklung beteiligt sind: Männer erfanden Maschinen, sie erfanden auch Maschinen, deren Nutzung auschließlich Frauen vorbehalten war wie Waschmaschinen oder Nähmaschinen. Sie erfanden Computer und entwickelten Textverarbeitungsprogramme für Sekretärinnen und Datatypistinnen. Und sie erfanden Computernetze wie das Internet als Kind des Kalten Krieges. Das Internet wurde zum Wissenschaftsnetz, zur Spielwiese für Computerfreaks und schließlich auch zum Netz für jedermann. Frauen, weibliche Wahrnehmung, weibliche Erfahrungen spielten bei der Entwicklung der entsprechenden Technologien keine Rolle. Dennoch wird sich kaum eine auf Dauer den neuen Medien verweigern können. Also lernt sie, mit dem Webbrowser umzugehen, wie sie vorher gelernt hat, den Textprozessor zu verwenden: "Anwenden muß ich's ja, aber wirklich interessiert es mich nicht." Manche begeistert sich für die Möglichkeiten, die Computernetze bieten, will wissen, was dahintersteckt. Bestenfalls gibt sie nicht auf, wenn sie von der Antwort des männlichen Gegenübers auch nach dreimaliger Erklärung nicht sicher ist, ob ihr Problem überhaupt erkannt wurde. Sie besteht darauf, alles selbst zu machen, selbst wenn ihr die Maus von wohlmeinenden Helfern aus der Hand gerissen wird. Irgendwann versteht sie Dinge, indem sie sich eine männliche Denkweise aneignet. Eine weibliche Rechner- und Netzkultur hat sie damit nicht geschaffen. Die Angst, im Beruf nicht genug qualifiziert zu sein, wenn man sich nicht mit neuen Medien beschäftigt, mag sicher ein Beweggrund sein, den heimischen Rechner mit einem Modem auszustatten. Ein positives Verständnis für Computer- und Netztechnologien erwächst daraus nicht. Warum es dann nicht mit einer anderen Motivation versuchen? Wenn genügend Frauen die Netze bevölkern, stehen neu hinzukommende Frauen nicht mehr vor dem Problem, daß ihre Sprache nicht verstanden wird. Wenn die Anwesenheit von Frauen in Arbeitsgruppen das soziale Klima realer Arbeitswelten verbessert -- warum sollte ihre Anwesenheit in Computernetzen nicht auch das Klima virtueller Welten zum Positiven verändern und damit auch für Frauen attraktiver machen? Erste Ansätze weiblicher Computer- und Netzkultur gibt es in Form von Frauenmailboxnetzen und Frauencomputerschulen. Erst einige Wochen alt ist das deutsche Netzwerk der Webgrrls, das die Münchnerin Karin Maria Schertler nach amerikanischem Vorbild ins Leben gerufen hat. Daß Bedarf besteht, zeigt der Andrang auf dessen Mailingliste: Innerhalb der ersten zehn Tage wurde sie von mehr als hundert internet- und computerbegeisterte Frauen abonniert. Patricia Jung